Read Der goldene Zweig: Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker by James George Frazer Online

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In m hevoller Kleinarbeit wertete der schottische Anthropologe Frazer alle erreichbaren klassischen Quellen, Sagenb cher und Reiseberichte vom Eismeer bis Polynesien aus, um seine These zu erh rten Der Glaube an transzendente Ph nomene ist berholt, die Welt ist immanent erkl rbar durch Entmythologisierung mythologischer und anthropologischer Verhaltensformen lassen sich die magischen und religi sen Praktiken auf den gleichen Ursprung zur ckf hren Frazers Hauptwerk The Golden Bough zuletzt 12 B nde , das ihn weltber hmt machte, ist eine monumentale Entwicklungsgeschichte der Mythen und Motive des Volksglaubens und zugleich eine Geschichte der Urreligionen Im Zentrum stehen die vielen Kulturen gemeinsamen T tungsriten, Opferfeuer, Karnevalsriten, Fruchtbarkeitszauber, Zwangshandlungen und Tabus, die der umfassend gebildete Gelehrte mit schriftstellerischer Gewandtheit analysierte Auch wenn Frazers berzeugung, Magie und Religion seien urspr nglich Ersatzkonzepte f r fehlendes Tatsachenwissen, und eine Reihe von Behauptungen inzwischen als vorwissenschaftlich oder widerlegt gelten, so bleibt Der goldene Zweig eine Fundgrube und ein unentbehrliches Arbeitsmittel f r den Religionssoziologen und Anthropologen wie f r den vergleichbaren Literaturhistoriker und Liebhaber der Fantasy bzw Trivialliteratur.Diese Ausgabe ist ein Reprint der Kurzfassung von The Golden Bough , die erstmals 1928 auf deutsch erschienen ist....

Title : Der goldene Zweig: Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker
Author :
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ISBN : 3499554836
ISBN13 : 978-3499554834
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Verlag Auflage 4 2004
Number of Pages : 1104 Seiten
File Size : 670 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Der goldene Zweig: Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker Reviews

  • sean_belachta@hotmail.com
    2019-07-21 15:38

    Der Goldene Zweig von Frazer ist eines der besten Bücher über Mythologie und Religionsgeschichte das es gibt! Ich empfehle diese Buch jedem, der ernsthaft am Studium der Mythologie interessiert ist. Selbst Siegmund Freud hat einige seiner Thesen und Studien auf Frazer's Werk aufgebaut. Themen wie zum Beispiel Die Tradition der Druiden, König Arthus, Isis und Osiris, Dionysus, der Hexensabbat und nicht zuletzt die Mythen und Legenden um Jesus werfen ein neues Licht auf die Bibel und das Christentum im Allgemeinen. Dieses Buch ist herausfordernt und inspirierend. Ich kann seinen Wert nicht genug betonen! Es ist auf jeden Fall sein Geld wert und sollte zur Standartliteratur für jeden gehören, der sich ernsthaft mit Religion und Glauben beschäftigt!!!! Egal ob Christ, Buddhist, Heide oder Freidenker!

  • Stefan Proust
    2019-07-05 16:51

    Zitat von Michael Schmidt-SalomonDer rumänische Religionshistoriker Mircea Eliade schrieb während seiner Studienzeit in Indien in seinem "Indischen Tagebuch" über das Wesen der Religion folgendes: "Religion ist etwas anderes... etwas Bösartiges, Amorphes, Stupides, Absurdes, Groteskes, Barbarisches, Unerträgliches, Erniedrigendes. Das ist Religion - und wenn diese meine Zeitgenossen sie anders verstehen, dann schlicht und einfach deswegen, weil sie Religion nicht unmittelbar, sondern nur dialektisch erfahren." Ich habe lange über diese Erkenntnis des jungen Eliade nachgedacht. Sind nicht für die Mehrheit der gläubigen und religiösen Menschen auf der ganzen Welt Religionen etwas heiliges und erhabenes, die die Menschen zu den edelsten Motiven anleiten und ihnen eine moralische Richtschnur geben, die nicht von den Menschen selbst abstammen kann? Doch leider sieht die Realität anders aus und die Religionsgeschichte liest sich im Großen und Ganzen wie eine lange Spur blutiger und sinnloser Opferungen, absurder Glaubensvorstellungen, rechthaberischer Konflikte und Spaltungen, kriegerischer Auseinandersetzungen und Verfolgung und Unterdrückung Andersdenkender und Andersgläubiger. Wer das Wesen der Religion verstehen will, muss an den Ursprung zurückgehen, an die Kinderstube der Menschheitsgeschichte. Der schottische Anthropologe, Religionswissenschaftlicher und klassische Philologe James George Frazer hat sich Ende des 19. Jahrhunderts auf diesen langen und beschwerlichen Weg gemacht und seine Ergebnisse und Erkenntnisse in seinem Hauptwerk "Der Goldene Zweig" dargestellt. Die hier vorliegende deutsche Ausgabe ist nur eine Kurzfassung (mit über 1000 Seiten!) des Originalwerkes, das zuletzt 12 Bände mit über 4000 Seiten umfasste. "Der Goldene Zweig" ist zunächst einmal und wissenschaftlich ausgedrückt eine vergleichend-kultur- und religionsgeschichtliche Untersuchung, die klassisch-philologische, archäologisch-ethnologische und indogermanistisch-orientalistische Gesichtspunkte und Arbeitsweisen verknüpft. Frazers brillanter, gleichermaßen lapidarer wie luzider Stil macht dieses Werk jedoch auch zu einem literarischen Genuss, indem es die doch sonst unübersteigbar anmutende Grenze zwischen "Wissenschaft" und "Kunst" einmal völlig vergessen macht. Ausgangspunkt ist das Gemälde von Turner "Der Goldene Zweig", eine Traumvision von dem kleinen Waldsee Nemi. Tatsächlich führt schon dieses Gemälde in eine verzauberte, geheimnisvolle und träumerische Zeit und Welt hinein, in der wir einen "verzauberten Boden betreten", der sich durch das ganze Buch hindurch zieht. Zu Beginn schildert Frazer einen religiösen und rituellen Komplex, der sich in Aricia in den Albaner Bergen unweit Roms zugetragen haben soll. Am Heiligtum der Göttin Diana, der Diana des Waldes, konnte man einen Mann umherstreifen sehen, der den Priesterkönig des Waldheiligtums darstellte und mit einem Schwert ausgestattet ständig Ausschau hielt nach seinem Mörder. Dieser Priesterkönig, der "Priester und Mörder zugleich" war, erwartete ständig einen Mann, der ihn ermorden, um an seiner Statt die Priesterwürde zu übernehmen. Der düstere Hintergrund dieses Priestertums hat nach Frazer keine Parallele in der klassischen Antike, und "um eine Erklärung zu finden, müssen wir weiter ausholen. Niemand wird leugnen, dass ein solcher Brauch an ein barbarisches Zeitalter gemahnt. ... Gerade das Rohe und Barbarische läßt uns hoffen, eine Erklärung dafür zu finden." Frazer holt in der Tat weit aus und taucht in Zeiten und Orten hinab, in denen das "Rohe und Barbarische" vorherrschte. Er kommt zu dem Schluss, dass der Priester des Dianaheiligtums ein Priesterkönig gewesen ist, dessen Lebenskraft die der Vegetation bedeutete und die auf jede Weise gestärkt und aufrechterhalten werden musste, weil mit ihrem Schwinden zugleich das Gedeihen der für die Menschen lebensnotwendigen Vegetation gefährdet war. Der Priesterkönig musste deshalb beseitigt werden und durch einen neuen ersetzt werden, sobald seine Kraft erlahmte, er alt und schwach geworden war. Die Sicherung der Lebenskraft des Priesterkönigs durch Tabu, Opfer und den Sündenbock gibt Frazer die Möglichkeit diese zentralen religionsgeschichtlichen Phänomene unter Zuhilfenahme gerade der "rohen und barbarischen" Parallelen, wie sie die Ethnologie seinerzeit zutage gefördert hat, zu klären. Er gelangt schließlich zum Typus des sterbenden und auferstehenden Gottes, dessen bekannteste Repräsentanten Attis, Adonis, Osiris und Dionysos in dem weltweit verbreiteten Drama von Tod und Auferstehung der Vegetation die Hauptrolle übernahmen.Obwohl Frazer eine kaum wertende, überwiegend darstellende Arbeitsweise verfolgt, geht er dennoch mit einer religionskritischen Haltung und Absicht an sein Mammutwerk heran. Für Frazer ist Religion in erster Linie eine defiziente Art und Weise, die Welt zu erfassen. Das Wesen der Religion besteht nach ihm aus zwei wesentlichen Elementen, "einem theoretischen und einem praktischen, nämlich einem Glauben an Mächte, die höher sind als der Mensch, und zweitens dem Versuch, diesen Mächten zu gefallen oder sie zu versöhnen." Der Glaube an einen Gott allein macht noch nicht das Wesen der Religion aus, denn wenn "der Glaube nicht zu der entsprechenden Handlungsweise führt, ist er nicht Religion, sondern Theologie." Da das Ziel des religiösen Menschen immer ist, seiner Gottheit zu gefallen, bedient er sich bestimmter Mittel, die in der Regel in der Darbringung von Opfern, im Sprechen von Gebeten und anderen äußeren Zeremonien bestehen. Wenn im Zuge der Ethisierung der Religion "Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Reinheit die Gottheit mehr erfreuen als Blutopfer, Singen von Hymnen und Weihrauchdüfte, so werden ihre Anhänger ihr am besten (damit) dienen." Das Leitmotiv der Religion besteht aber darin, den Willen und das Wohlwollen von übernatürlichen Mächten zu lenken und dem Menschen geneigt zu machen. Die religiösen Menschen glauben außerdem, dass die Naturereignisse oder Naturgesetze nicht durch unwandelbare Gesetze bestimmt werden, sondern bis zu einem gewissen Grade veränderlich und unregelmäßig sind. Diese Auffassung widerspricht aber fundamental den wissenschaftlichen Erkenntnissen und je mehr wir die Natur studieren, "desto mehr fällt uns die starre Einförmigkeit auf, die pünktliche Genauigkeit, mit der... die Vorgänge in der Natur sich abspielen." Dank der Wissenschaft können wir sogar inzwischen das Schicksal unserer Erde und unserer Galaxie voraussehen und es wird keinem gläubigem Menschen gelingen, "jene Mächte aufzuhalten, die in aller Stille, aber unerbittlich, auf die Vernichtung dieses gesamten Sternenalls hinzielen, in dem unsere Erde nur einen Punkt oder ein Stäubchen bildet." Schon der Glaube an einen anthropomorphischen Gott oder Götter ist das Produkt des menschlichen Verstandes, denn "wer würde... den Tieren den Glauben zuschreiben, dass die Naturerscheinungen von einer Fülle unsichtbarer Tiere oder von einem riesengroßen und ungeheuer starken Tiere hinter den Kulissen hervorgerufen würden?" Der anthropologische Synkretismus von Frazer zeigt, dass Gottesglaube sich innerhalb eines Prozesses entwickelt und verwandelt hat. Bei vielen primitiven Völkern glaubte man zunächst an ein übernatürliches Wesen in Tiergestalt. Verschiedene Tiere galten bei ihnen als heilig und wurden deshalb verehrt. Manche Naturvölker glaubten sogar von einem Tier abzustammen, dem so genannten Totemtier, den man in der Regel nicht töten durfte, und wenn man es tat, sich bei ihm entschuldigen musste. Der Glaube an übernatürliche Wesen ist im Grunde eine "Verpuppung", "durch den Tiergötter gewöhnlich hindurch müssen, bevor sie als ausgewachsene, anthropomorphe Götter hervortreten."Frazer dokumentiert nun in seiner anthropologischen Übersichtsdarstellung die bizarre Phänomenologie von Aberglauben und Ritualen. Blutige, grausame und sinnlose Menschen- und Tieropfer auf der ganzen Welt, realer oder symbolischer Kannibalismus, die Verspeisung des Mensch gewordenen Gottes, magische Rituale, der Glaube an Geister (Baum-, Korngeister usw.), Dämonen, Kobolde, Teufel und Hexen, echte und symbolische Hexenverbrennungen, heidnische Rituale im europäischen Volksglauben, Zwangshandlungen und absurde Tabus, Königsmorde, die Praxis der Sündenböcke bei primitiven Völkern und im klassischen Altertum, die Gefangenschaft von Mädchen zur Zeit ihrer Geschlechtsreife aufgrund der primitiven Furcht vor dem Menstruationsblute usw., all dieses Kuriositätenkabinett ist, wie Frazer selber schlussfolgert "eine traurige Geschichte menschlichen Irrtums und menschlicher Torheit." Frazer plädiert deswegen für die Wissenschaft; mag auch seine Reihenfolge Magie-Religion-Wissenschaft, durch die er vor allem bekannt wurde, in der Religionswissenschaft als "vorwissenschaftlich" betrachtet werden, richtig ist aber die Einsicht von Frazer, dass dank der Wissenschaft "der Mensch endlich nach jahrhundertlangem Umhertasten im Dunkeln einen Faden durch das Labyrinth, einen goldenen Schlüssel gefunden (hat), der viele Schlösser in der Schatzkammer der Natur öffnen kann" und dass deshalb "jedes Hindernis, das der wissenschaftlichen Forschung in den Weg gelegt wird, ein Unrecht gegen die Menschheit ist." Ein Wissenschaftler wie Frazer wusste schon aber vor hundert Jahren, dass selbst die Wissenschaft nur Hypothesen aufstellen kann, die "einmal selbst von einer vollkommeneren Hypothese... überholt werden" können. Die Frage die sich nach der Lektüre dieses Buch noch stellt, ist ob der moderne Mensch des 20. und 21. Jahrhunderts wirklich so viel besser und ethisch einwandfreier handelt als der primitive Wilde? Sicherlich wir opfern keine Tiere mehr den Göttern, aber immer noch unserem Bauch! Der Kannibalismus ist verpönt und geächtet, nicht aber die unzähligen Kriege und die Kriegsmentalität! Die "entzauberte Welt" (Max Weber) glaubt nicht mehr an Magie, trotzdem boomt der Esoterikmarkt! Das Christentum hält sich inzwischen für besonders aufgeklärt, trotzdem hat es nicht geschafft, sich von den heidnischen Einflüssen und dem allgegenwärtigen Aberglauben zu befreien, indem es immer noch an Teufel, Hölle, Dämonen, Engel und das Sühneopfer glaubt! Viele Religionen der Vergangenheit, die an allen möglichen Unsinn geglaubt haben, sind ausgestorben, dafür enstanden neue (politische) Ideologien, die ihren eigenen unmenschlichen Unsinn vertraten bzw. noch vertreten! Fast schon prophetisch mahnte deshalb Frazer Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit den primitiven Völkern und "ihren Fehlern und unvermeidlichen Irrtümern im Kampfe um die Wahrheit Nachsicht zu üben und ihnen gegenüber jene Milde walten zu lassen, deren wir vielleicht selbst eines Tages bedürfen werden."

  • hauman
    2019-06-25 13:55

    Was würde Frazer wohl dazu sagen, hätte er mich letzten 31. Dezember gegen Mitternacht auf die Straße stürzen und ein Feuerwerk abbrennen sehen? Oder wenn er einmal beobachtet hätte, wie ich einen Kuss auf das Foto meiner abwesenden Freundin drücke? Oder wenn er Leute an der Kinokasse erblickt hätte, die Geld dafür ausgeben, um sich von einem Horrorfilm erschrecken zu lassen? - Frazer legt nahe, dass Magie eine Vorform von Wissenschaft ist: eine erfolgloser Versuche, die Welt zu erklären. Er würdigt nicht die Möglichkeit, dass es sich dabei schlicht um eine menschliche Reaktion auf die Anmutung der Welt handeln könnte. Das magische Ritual ist ja vielleicht gar nicht dafür da, um die Welt zu beherrschen, sondern nur menschlich auf sie zu reagieren. Ich will mit meinen Neujahrsböllern nicht das alte Jahr verscheuchen, sondern zum Ausdruck bringen, wie mir angesichts des Wechsels zumute ist. Ich habe neulich ein kleines Kreuz mit dem Mini-Foto einer tödlich verunglückten 17jährigen am Straßenrand gesehen, darunter lagen bemalte Kieselsteine der Geschwister/Eltern - wollten sie damit etwas bewirken (die Verstorbene z.B. wieder ins Leben holen) oder etwas ausdrücken (wie ihnen zumute ist)? Frazer neigt, ähnliche Reaktion von Primitiven darzustellen, als ob Primitive eine irrige (verrückte) Auffassung vom Lauf der Welt hätten. Warum sollten sie aber nicht einfach nur von verschiedenen Dingen oder anders affiziert werden als wir = eine andere Magie haben (wenn Magie oder Religion in der Art und Weise bestehen, wie wir auf etwas Beeindruckendes antworten)? Der Primitive steht womöglich näher am Kind, dem mehr auffällt, indem es noch nicht zu so viele Erklärungen ansetzen kann. Die magische Reaktion ist deswegen keine vorwissenschaftliche, sondern einfach nur eine menschliche Möglichkeit, auf die Welt zu antworten, verwandt der von Künstlern. Wenn ich ein Feuerwerk in den Nachthimmel schieße, will ich damit nicht den Lauf der Welt verändern. Frazer scheint dagegen anzunehmen, dass z.B. Regentänzer sehr wohl Regen zu machen beabsichtigen (man muss fragen, warum sie dann nicht in der Trockenzeit tanzen - sie tanzen aber in der Regenzeit: weil ihr Tanz, möchte man meinen, zum Ausdruck bringt, was der Regen ihnen und ihren Zuschauern bedeutet). Was, wenn die Primitiven über Frazers Erklärungen den Kopf schütteln würden, so wie wir den Kopf schütteln würden z.B. über die Deutung, die Deutschen glaubten irrigerweise daran, das alte Jahr durch Böllerschüsse vertreiben zu müssen o.ä.? Wenn ich Silvesterraketen abfeuere, tue ich das nicht, nachdem ich mir vorher eine Meinung dazu gebildet habe, sondern weil mir danach ist. Vielleicht geht es dem Regentänzer ja ähnlich. Wenn ich jemandem grüßend zunicke oder meinen Geburtstag feiere - würde mir, was es damit auf sich hat, klarer, indem ich dazu eine Meinung entwickelte oder Theorie bildete? Wenn mir jemand den "Sinn des Geburtstagsfeierns" erklärte, hätte ich anschließend mehr davon? Wenn wir mit den Bräuchen oder Magien anderer Kulturen, die wir nicht verstehen, konfrontiert werden, führt es vielleicht weiter und wäre auch menschlicher, sie entlang uns vertrauter ähnlicher Phänomene zu beschreiben, nicht als verkrüppelte Wissenschaft. Es ist wahrscheinlich gar nicht so schwer, sich in fremde Magien zu finden und sie ähnlich bedeutsam zu erleben wie die uns bekannten, denn sie entspringen ja der menschlichen Reaktion auf das Auffallen der Welt. So könnte das primitive Reagieren sogar unsere Erlebnismöglichkeiten bereichern, ohne dem Obskurantismus Vorschub zu leisten. In D. H. Lawrence's 'Mexikanischer Morgen: Reisetagebücher' gibt es z.B. die Beschreibung eines Schlangentanzes der Hopi, die genau das leistet: sie erklärt uns nicht, was von den Tänzern erreicht werden soll, sondern beschreibt nur das primitive Ritual, das immer mehr Besitz von uns ergreift, keine Fragen stellt, beantwortet oder offen lässt, sondern nicht mehr, nicht weniger als einen unvergleichlich tiefen, menschlichen Sinn vermittelt.

  • Johnny Weissmueller
    2019-07-08 20:49

    Dieses Werk nicht ohne Einschränkung zu empfehlen ist schlicht peinlich. In seiner Bedeutung stelle ich es Marx Kapital und Freuds Traumdeutung an die Seite. Es beeinflusste Generationen von Autoren so nachhaltig - man denke etwa an T.S. Eliot - dass es diese Autoren, so, wie wir sie kennen, ohne Frazer gar nicht gegeben hätte. Jemand, der für sich geistesgeschichtliche Bildung beansprucht und Frazers großes Werk nicht kennt, sollte sich schleunigst an die Lektüre machen. Über die viktorianische Zurückhaltung hinaus ist das Werk zeitlos. Ein Muss!