Read Die Fälschung der Welt: Roman by William Gaddis Online

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Das satirische Portr t von nichts weniger als der gesamten modernen Welt einer der wichtigsten Romane des 20 Jahrhunderts Wyatt Gwyon w chst als Priestersohn unter der rigiden Obhut seiner Tante in der Provinz Neuenglands auf und entwickelt ein zeichnerisches Talent Schlie lich landet er Ende der vierziger Jahre im New Yorker Greenwich Village, wo er aus Not zu einem genialen Kunstf lscher wird Doch er kopiert nicht etwa die alten Meister, sondern erfindet neue Originale und arbeitet damit korrupten H ndlern und Hehlern in die H nde Um ihn herum gibt es ein ganzes Heer an K nstlern, Kunstexperten, Schriftstellern, Geistlichen, Forschern und Politikern, die sich alle in einem Netz aus L gen an der F lschung der Welt beteiligen Mit diesem sprachgewaltigen, am sant und wild wuchernden Epos, das 1955 in den USA erschien, ist William Gaddis ein gro er Wurf gelungen, ein Zeitroman ber eine bodenlose, auf Lug, Trug und Schein aufgebaute Welt, ein Paukenschlag von einem Buch, das zu den bedeutendsten Meisterwerken der Literatur z hlt und als Schl sselroman der Moderne gilt....

Title : Die Fälschung der Welt: Roman
Author :
Rating :
ISBN : 3421045194
ISBN13 : 978-3421045195
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Deutsche Verlags Anstalt Auflage 1 Aufl 9 April 2013
Number of Pages : 108 Pages
File Size : 968 KB
Status : Available For Download
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Die Fälschung der Welt: Roman Reviews

  • Bernhard Klaus
    2019-09-04 09:31

    Für mich waren die "Enden der Parabel" und der "Unendliche Spaß" lockere, bekömmliche Lektüre dagegen. Ich war wirklich bemüht, bei der Stange zu bleiben und habe auch abschnittweise großes Vergnügen beim Lesen gefunden, aber letztlich habe ichŽs dann doch weggelegt. Hochinteressant, phantastisch aufgebaut, irre witzig über weite Teile. Wirklich gescheit, verschachtelt strukturiert und herausfordernd formuliert...aber irgendwann hat sich die Sache begonnen, im Kreise zu drehen. Irgendwann verschwammen die Charaktere, die Handlungsstränge und Zeitebenen und ich wusste dann nicht mehr, wo ich war, wer eigentlich sprach und ob es sich dabei um eine reale, oder imaginirte Person handelte, oder das Alter Ego einer wirklichen, oder dessen schizophrener Vorstellung. Da ging mir die Kraft aus. - Aber zumindest einen weiteren Versuch ist der Ziegel sicher wert.

  • M. Lehmann-Pape
    2019-08-19 06:17

    Neu aufgelegt und in durchaus immer noch „frischem Glanz“, so präsentiert sich das epochale Werk aus dem Jahre 1952 auch im Jahre 2013 noch inhaltlich, in der sprachlichen Form und der doppelbödigen Kritik an der Moderne und der Suche nach der „wahren Kunst“ und dem „schöpferischen Kern des Seins“.Schon vordergründig bietet die Geschichte, die Gaddis in bildkräftiger, hintergründiger, teils ironischer, immer aber mitreißender Sprache, auf den gut 1220 Seiten ein intensives, verwirrendes, doppelbödiges Mit-Erleben der Wege der Protagonisten.Beileibe nicht nur vordergründig geht es Gaddis um das Thema der „Fälschung“, der „Kopie“ mit dem Anspruch auf originäre Schöpfung.Das die Hauptfigur, Wyatt Gwyon, sich als talentierter Maler entpuppt, ist das eine. Dass jener Wyatt für sich, und sei es auch aus akuter Not heraus, statt mit eigener Inspiration vorzugehen, , Fälschungen zu erstellen, hierbei aber dennoch eigentlich Originale „erfindet“ (er führt die Impulse und das Genie alter, vor allem flämischer, Meister in eigener Art fort) ist ein deutliches Spiegelbild der Haltung und des Lebensweges der Moderne.Und zudem führt Gaddis in der Figur Wyatts auch das Spirituelle, die Ur-Sehnsucht nach Schaffenskraft und Schöpfung, mit ins Feld. Die „brennenden Haare“, die sich Wyatt an sich selbst anträumt und vorstellt können durchaus als Verweis des „über den Menschen kommenden schöpferischen Geistes“ verstanden werden.Wobei dies alles wohlgemerkt nur einen Ausschnitt der vielfachen Wege und Figuren des Romans darstellt.Diese Mischung aus eigener Leistung und doch nur Betrug, aus Gier nach dem Besitz und doch nur einer Fälschung aufsitzen, ist in dieser sprachlichen Form ein treffendes, mehrdeutiges Bild für das moderne Leben. Umso bewundernswerter ist die Weitsicht des Autors, der in einer Zeit, in der zumindest die westliche Welt geschlossen dem Fortschritt und dem Materialismus die Ehre erwies, schon die tönernen Füße dieses Lebensstiles umfassend (in zudem noch unterhaltsamer Form) Faser für Faser offenlegt und dabei zurückgreift auf die Kunst , Kultur, Literatur und die religiöse Suche der Vergangenheit.Denn beileibe nicht nur um Kunstfälschungen geht es. Fälschungen aller Art ziehen sich durch die mäandernden Seiten des Romans, vom Falschgeld bis zu jeder Form des Kunst-Plagiats, immer kreisen um die alte und immer wieder neue Frage des „schönen Scheins“ statt „handfesten Seins“, in der die Personen des Buches unentwirrbar miteinander verbunden sind.Bigott ist (fast) die gesamte Welt, in der sich der Roman bewegt, von Beginn an. Dem anderen einen Bären aufbinden, das Ganze am besten selber glauben, um es überzeugend zu vertreten, sich bei „anderen bedienen“, was das Zeug hält. Vom Politiker bis zum Professor, vom kleinen Ganoven bis zum großen Fälscher ist es „der große Schein“, den Gaddis vor Augen führt. Eine Gerede und ein Vorspiegeln falscher Tatsachen, die gerade in den letzten Jahren als „Grundhaltung“ eine aktuelle Brisanz gewonnen haben. Damit verbindet sich die Suche nach „dem Kern“, nach sich selbst, nach dem „ganz Eigenen“.Was alles in allem allerdings nicht zur Übersichtlichkeit des Werkes beiträgt, sondern den Leser immer wieder in neue Aspekte der Literaturgeschichte, der religiösen Suche, der Anstrengung nach eigener Geltung führt.Das der „rote Faden“ ein ums andere Mal verloren geht, der Leser selbst sich in dieser ausufernden Welt, den Finten, den Gesprächen mit doppeltem Boden, des Öfteren verliert, auch das ist Teil dieses Romans (der ertragen werden muss bei der Lektüre).„Egal welche Straße sie überquerte, stets schien Finsternis den Himmel zu fluten“.Ein Satz etwa aus der Mitte des Romans, der sowohl die innere Ebene als eben auch das Leseerlebnis auf den Punkt bringt.„Und die Gäste drifteten vorbei, spurlos, vermeintlich ziellos, glupschäugig wie Fische unter Wasser, schnappten nach Beute, wie diese sich anbot und flitzen in Deckung bei Gefahr“.So ist die Welt durch Gaddis Augen, vor denen nur wenige Haltungen und Wege Gnade finden dürften, auch im Roman. In einer Welt, in der Kunst (und damit die Kultur, das „Tiefe“) nur scheitern können, weil das Vordergründige immer einen Schritt voraus ist und einen Tick Rücksichtsloser verfährt.Ein alter, „jung“ gebliebener Roman, der in seiner Form und seiner weitschweifigen Suche nach einem „Kern“ immer noch wichtig und empfehlenswert ist.

  • Volker Lechterbeck
    2019-09-05 11:16

    Zwar liegt die Lektüre dieses Werks schon etwas zurück, aber wer sich durch dieses 1200seitige Ungetüm gekämpft hat, darf sich auch verspätet äußern.Beginnend mit dem Titel, ist "Die Fälschung der Welt" für "The Recognitions" keine schlechte Wahl, da sich das Motiv der (Ver-) Fälschung, Nachahmung, Täuschung und des Vorspiegelns durch den Roman zieht, beginnend beim gewöhnlichen Betrug, sich fortsetzend über Kunstwerke und Identitäten und endend bei kulturgeschichtlichen Phänomenen. Allerdings kann der deutsche Titel zur Annahme eines planvollen universalen Komplotts verführen, doch handelt es sich hier um alles andere als einen Verschwörungsthriller.Es ist ein von Belesenheit, von Gelehrsamkeit strotzendes, sehr amüsantes, bisweilen hochkomisches, an brillanten Passagen reiches, bisweilen angestrengtes Werk - dies alles in einer meisterlichen Übersetzung.Schon zu Beginn fällt die Mutter der Hauptperson einem Hochstapler zum Opfer, der aufgrund gefälschter Papiere als Schiffsarzt eingestell wurde und nun auf See dieser unglücklicherweise ernsthaft erkrankten Frau helfen muß. Dies wird grandios so beschrieben:"Frisch rasiert und angetan mit einer sauberen Kellerschürze, stand er über die stumme Frau gebeugt, schlug in einem phantasmagorischen Ritus allerlei Kreuzzeichen auf Brust, Lippen und Stirn, küßte beschwörend gar das Kreuz in seinen schwieligen Händen und machte sich ans Werk. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt von der Alten und Neuen Welt etwa gleich weit entfernt, doch bevor hier wie dort die Fürbitten für die Seelen der Verstorbenen im Fegefeuer verklungen waren, hatte er Camillas Leiden ein Ende gesetzt und ihrem Leben dazu...Allein der Zufall hatte ihm übel mitgespielt, und ihn, nach der lebenslangen, chronischen Hingabe an seine Profession, nicht nur um den Rückzug ins unscheinbare Privatleben gebracht, sondern geradewegs hinter die geschichtsmächtigen Gitter einer iberischen Haftanstalt...So sah er sich also dem Vergessen entrissen durch die Diener eines Staates, dessen Christenglaube nicht ausreichte, um einem jenseitigen Gericht, die Vergeltung seiner weltlichen Sünden zu überlassen." (S.11 - 12)Im Verlauf wächst Wyatt Gwyonn zurückgezogen als Sohn eines introvertiert-skurrilen Geistlichen auf, der seine Gemeinde gelegentlich mit den Erkenntnissen und Früchten seiner ausgedehnten Studien schockiert:"Gewiß, so mancher rutschte am ersten Weihnachtsfeiertag voll peinlicher Entrüstung auf der Sitzbank herum, als er feststellen mußte, daß die bekannte Geschichte mit Jungfrauengeburt, Folter und Auferstehung nicht mit Christus in der Hauptrolle besetzt war, sondern mit Bacchus, Osiris, Krishna, Buddha, Adonis, Marduk... und Quetzalcoatl. Zwar entsannen sich alle jenes Schicksalstags, an dem die Sonne ihr Antlitz verborgen hatte, aber daß dieses Phänomen erstmals im Zusammenhang mit Cäsars Ermordung aufgetaucht sein sollte, war ihnen neu..." (S. 80)Später wird dieser Geistliche in einer glanzvollen und bizarren Szene eine Messe zur Wiederbelebung des Mithras-Kults nutzen, was zu seiner Demission führen wird.Es gäbe noch viele Stellen zu benennen, von kurzen Apercus bis zur monumentalen, schmerzhaft-präzisen Schilderung eines Dale Carnegie lesenden Mannes in einem Wolkenkratzer als Darstellung von gleichzeitigem Unglück und Glücksversprechen.Nur eine sei noch beschreibend angeführt, in der ein Mann zwischen Wachen und Schlafen auf einmal an Alexander Popes Vers denkt: "Warum besitzt der Mensch nicht 1000 Augen? Weil die nur für der Fliege Dasein taugen?" Er denkt dies, weil er durch eine Fliege in seinem Schlaf gestört wird. In Gang gesetzt wird nun eine Assoziationskette, an deren Beginn der in eine Fliege verwandelte hundertäugige Argus steht, Wächter der Io. Daß Io selbst in ein Kalb verwandelt und zum Nil gehetzt wurde, korrespondiert mit der Arie aus "Aida", die gerade im Radio läuft. Schließlich wenden sich die Gedanken bzw. Assoziationen des Mannes dem Brauch zu, Fliegen von schlafenden Kindern zu vertreiben, aus Furcht vor Baal-Zebub (dem Herrn der Fliegen), aus dem später Beelzeboul (Herr des Dungs) bzw. Beelzebub, der Teufel wird.Beendet und zusammengefäßt wird diese Kette so: "Die kombinierte Wirkung von drei Jahrtausenden, einer Göttin,einer Prinzessin und einem Teufel blieb nicht ohne Folgen. Noch einmal schlug Otto nach der Stubenfliege, fuhr dann notgedrungen aus dem Schlaf und setzte sich auf der Bettkante auf, das Gesicht angstvoll verzerrt, horchend, abwartend." (S 268 - 270)Ein in jeder Hinsicht groß-artiges Gebirge von Werk. Problematisch waren für mich mehrere Dinge: erstens die Ausuferung von Schilderungen und insbesondere von Dialogen (da werden Gespräche in wörtlicher Rede aufgeführt, getrennt nur durch Gedankenstriche, so daß ich schließlich die Orientierung über die gerade Sprechenden verloren habe; zweitens das Auslaufen bzw. Zerfasern von Handlung, vor allem zum Ende des Werks hin. Nach meinem Geschmack wäre ein wenig Straffung und Bündelung für die Gesamtkonzeption vorteilhaft gewesen.Deshalb "nur" vier Punkte, wenngleich die Glanzlichter mehr verdient hätten.Wer sich allerdings auf diese Wanderung einläßt, wird reich belohnt werden.